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Ganztagsschulen in Deutschland

Ganztagsschulen sind seit einigen Jahren ein Thema, das Eltern und Schüler ebenso beschäftigt, wie die Gemeinden und die Politiker. Spätestens seit der PISA-Studie weiß man, dass das deutsche Bildungs- und Schulsystem gegenüber anderer europäischer Länder schlecht und somit stark verbesserungswürdig ist. Helfen soll dabei die Ablösung der Halbtagsschulen durch die Ganztagsschulen.

Es gibt drei Arten von Ganztagsschulen: offene, gebundene und teilgebundene.

Die offene Ganztagsschule lässt sich mit einer Halbtagsschule vergleichen. Es wird allerdings ein Nachmittagsprogramm angeboten. Die Teilnahme daran ist freiwillig. Die nachmittägliche Anwesenheit ist für die Schülerinnen und Schüler einer gebundenen Ganztagsschule die ganze Woche über verpflichtend. Schüler an einer teilgebundenen Ganztagsschule haben ist eine Mischung aus den vorangegangenen. Die Kinder haben dort eine nachmittägliche Anwesenheitspflicht von einem, bis zu drei Tagen in der Woche. Ganztagsschulen sind Bildungseinrichtungen, an denen der Unterricht gleichmäßig auf Vor- und Nachmittag verteilt wird und in der es Strukturelemente wie Mittagessen, Hausaufgabenbetreuung, Förderunterricht und Freizeitangebote gibt. Eines der wichtigsten Strukturelemente sind die Arbeitsgemeinschaften bzw. Hobbygruppen. Lernschwache Schüler haben dort die Chance, die Erfolgserlebnisse, die sie im Unterricht missen, in Sachgebieten die ihnen liegen, zu erhalten. Somit kann die Lernmotivation gesteigert werden. Schüler, die lernstark sind, können sich dort zusätzlich noch weiterbilden, zum Beispiel durch das Lernen einer neuen Sprache.

Der Förderunterricht kann Schülern mit Lernschwierigkeiten ebenso helfen, wie Schülern die eine besondere Begabung in einem Unterrichtsfach aufweisen. Dort wird sich an das Tempo der Schüler angepasst. Die Themen können über den Unterricht hinausgehen, oder aber ihn noch einmal vertiefen. Die Belastung der Eltern und Schüler durch die Hausaufgaben soll durch eine spezielle Hausaufgabenbetreuung gelöst werden. Die Schüler sollen ihre Hausaufgaben in der Schule mit pädagogischer Hilfe an ihrer Seite erledigen. Dies kann entweder durch gezielte Übungen im Unterricht, oder durch eine Hausaufgabenbetreuung am Nachmittag erfolgen.

Dass die Schüler in Ganztagsschulen die Möglichkeit haben ein Mittagessen zu bekommen, ist sehr fortschrittlich und von großer Bedeutung. So können die Schüler zur Ruhe kommen und ihrem Körper wichtige Nährstoffe zufügen. „Verbesserung der Chancengleichheit, kulturelle Anregungen und Arbeitstechniken des sozialen Lernens“ sind Ziele, die in Deutschland mit Hilfe der Ganztagsschulen erreicht werden sollen.

Umstritten sind die Ganztagsschulen dennoch. Obwohl es für viele Eltern die im Schichtdienst, nachmittags oder abends arbeiten müssen ein großer Vorteil ist, dass ihre Kinder nachmittags betreut werden und ihnen bei den Hausaufgaben geholfen wird, wird häufig kritisiert, dass die ganztägliche Beschulung, gerade für die jüngeren Schülerinnen und Schüler, zu belastend sei. Die Älteren drücken sich gar häufig um das Kursangebot, wenn es sich nicht gerade um Pflichtveranstaltungen handelt, die für das Zeugnis ausschlaggebend sind. Doch nicht für die Schüler ist der lange Tag belastend, auch Lehrer sind manchmal überfordert. Außerdem wird durch den für die Schüler langen Tag in der Ganztagsschule die Freizeit vermindert. So haben diese weniger Zeit für Freunde oder andere Aktivitäten außerhalb der Schule. Allerdings lässt sich sagen, dass durch die gemeinsam verbrachte Zeit der Schüler und Lehrer ein gestärktes Sozialgefüge entstehen soll. Da es in Ganztagsschulen kleinere Klassen geben soll, denke ich dass Lehrer dort besser auf die einzelnen Schüler eingehen können. Dadurch ist es möglich Stärken und auch Schwächen frühzeitig zu erkennen und auch zu fördern. Das kann ebenfalls ein Vorteil sein.

Allerdings ist so eine zeitintensive Betreuung auch sehr kostspielig. Die Bundesländer können die finanziellen Mittel häufig nicht allein aufbringen und deshalb müssen die Eltern oft dafür bezahlen, dass ihr Kind eine Ganztagsschule besuchen darf. Das ist meiner Meinung nach ein klarer Nachteil. Schließlich werden dadurch Schüler mit einem schwachen materiellen Hintergrund benachteiligt. Es kann also passieren, dass nur Kinder aus höheren Gesellschaftsschichten die Schule ihrer Wahl besuchen können. Dadurch geht ganz klar die Chancengleichheit verloren. Ein weiterer Nachteil liegt darin, dass man leicht den Eindruck gewinnen kann, dass die Eltern ihre Kinder abschieben wollen und die Erziehungsverantwortung an die Lehrer und Betreuer abgeben.

Grundsätzlich lässt sich das Prinzip der Ganztagsschulen als gut bezeichnen. Die bessere der Förderung der Kinder, die tägliche warme Mahlzeit und die Nachmittagsbetreuung sind klare Pluspunkte. Allerdings muss bei der Umsetzung darauf geachtet werden, dass die Ganztagsschule für Kinder aus sozial schwachen Familien kostenfrei bleibt. Außerdem sollte man die Überlastung der Schüler sowie der Lehrer möglichst vermeiden. Das ist nur durch mehr Lehrkräfte möglich. Die Personalkosten einer Ganztagsschule sind also viel höher als die einer Halbtagsschule. Der Besuch einer Ganztagsschule sollte auf jeden Fall freiwillig und eine Entscheidung der Kinder bleiben, insofern das möglich ist. Leider steckt das Projekt „Ganztagsschule“ in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Wenn der Staat genug Mittel aufbringen kann um dieses Konzept umzusetzen, wäre dies sicherlich ein Segen für das deutsche Bildungssystem.

Nachlese: Zu wenig Ganztagsschulen in Deutschland

Gastautor: "Lucia"


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